Wir freuen uns

 

Der Weltladen hat Geburtstag. Fast. Was im Juni 2016 in der Jakobistraße begann, setzt sich seit 2019 im Grandweg fort. Wir verkaufen Waren unserer Großhändler, die auf langfristige Partnerschaften setzen, statt auf maximale Gewinne. Das geht nicht ohne Fairness. Unser ehrenamtliches Engagement wirkt in mehrere Bereiche: Wir zeigen - wie alle Weltläden - dass ein fairer Handel möglich ist. Und mit den Gewinnen unterstützen wir Projekte, die sich für die Menschen engagieren, die die geringsten Chancen haben.

 

 An dieser Stelle stellen sich nun in Vorfreude und loser Folge Mitarbeitende vor:

 

Stell dich bitte kurz vor.

 

Mein Name ist Annette und ich bin 69 Jahre alt. Nach meinem Eintritt in die Rente habe ich eine ehrenamtliche Tätigkeit gesucht, die mir Spaß macht und bei der ich zeitlich flexibel sein kann.

 

 

Seit wann bist du im Laden?

 

Seit Ende 2021.

 

 

Kanntest du den Fairen Handel schon vorher?

 

Ja, der faire Handel war mir bekannt und ich habe auch früher gerne in Weltläden und im Einzelhandel fair gehandelte Produkte eingekauft.

 

 

Wie bist du auf den Weltladen aufmerksam geworden?

 

Durch Freundinnen, die bereits im So fair Weltladen in Soest aktiv waren.

 

 

Warum bist du dabei?

 

Wir leben hier unter komfortablen Bedingungen. Daher unterstütze ich gerne mit meinem ehrenamtlichen Engagement die Lebens- und Arbeitsbedingungen verschiedener Initiativen und kleinerer Produzenten.

 

 

Was würdest du einer Person sagen, die sich für die Arbeit im Weltladen interessiert?

 

Wir sind ein nettes und offenes Team. Das vielseitige und umfangreiche Sortiment ist sehr attraktiv und die Kundinnen und Kunden sind häufig sehr interessiert, offen und sympathisch.

Und jede und jeder im Team kann sich nach seinen zeitlichen Möglichkeiten engagieren.

Mal wieder Rosen verschenken?

Ostern ist nicht mehr weit, damit das Ende der Fastenzeit. Zum Glück gibt es Faire Schokolade für den Genuss. Doch was ist mit Blumen?

In Ecuador werden in über 3000 Meter Höhe Rosen in Gewächshäusern für den Export nach Europa, Russland und die USA angebaut. Staatlich gefördert, profitieren vor allem die großen Plantagen im Tal, gegenüber den Kleinbäuer*innen an den Hängen. Viele von ihnen sehen sich allerdings gezwungen, in Glashäuser für den Rosenanbau zu investieren, weil die Erlöse aus der Landwirtschaft nicht zum Leben reichen.

Zwei Milliarden ecuadorianische Rosenstiele wurden im letzten Jahr verkauft, die mehr Rendite abwerfen als Bananen oder Kaffee. Mehr waren es nur aus den Niederlanden und Kolumbien.

Höhenlage, vulkanische Böden, intensive Sonneneinstrahlung bieten beste Voraussetzungen, neben niedrigen Löhnen und kaum Kontrollen der Einhaltung von Arbeitsrecht und Umweltgesetzen.

Pestizide für makellose Blüten

Besonders toxische Pflanzenschutzmittel, die in Europa nicht mehr ausgebracht werden dürfen, werden munter weiter exportiert – eben auch für die Rosenplantagen in Ecuador. Schließlich sollen die langstieligen Rosen gleichmäßig und makellos sein.
Die Folgen für die Menschen sind gewaltig, nicht nur Beschäftigte auf den Plantagen sind stark belastet, auch die Menschen in der Umgebung. So sind Kinder zu den Haupterntezeiten vor Valentinstag und Muttertag, neurokognitiv so stark belastet, dass sie nicht gut lernen können. Davor und danach ist es besser. Jugendliche tragen ein hohes Depressionsrisiko.

Pestizide: nach Ecuador und zurück

Und so wird die Pestizidbelastung importiert. Global 2000, eine österreichische Umweltschutzorganisation, kann bis zu 80 verschiedene Pestizide auf Rosensträußen nachweisen, im Schnitt sind es 14. In dreivierteln der Proben finden sich Pestizide, die in Europa wegen ihrer toxischen Wirkung verboten sind.

Nur knapp 0,1 Prozent der ecuadorianischen Rosen tragen das Fairtrade-Siegel, doch selbst auf vielen dieser Rosen konnte Öko-Test Rückstände finden.

Das Wasser ist knapp

Neben all dem stehen dem wirtschaftlichen Erfolg des Rosenanbaus in Ecuador die Konflikte um Boden und Wasser gegenüber – den die großen Plantagen meist gewinnen. Dadurch ist die Lebensgrundlage der indigenen Menschen bedroht.

Exportstopp von in der EU verbotenen Pestiziden

Das fordert INKOTA. Wer sich anschließen will, kann sich im Weltladen in die ausliegenden Listen eintragen, oder hier unterschreiben.

Eine Alternative

Slowflower ist eine Bewegung in der sich alle, vom Anbau bis zum Design, versammeln, mit der gemeinsamen Leidenschaft, lokaler, pestizidfreier Schnittblumen – wie sie auf ihrer Hompage schreiben.

Fairtrade Living-Income-Programme

Im Fairen Handel legen Händler und Produzenten zusammen Mindestpreise fest, die nicht immer existenzsichernd sein können. Dazu wird eine Prämie gezahlt, für betriebliche Investitionen. Von diesen Mindestanforderungen profitiert nur ein kleiner Teil der Produzenten im globalen Süden. Eine generelle Existenzsicherung muss also das Ziel sein – für den gesamten Handel. Also muss der Hebel über den Fairen Handel hinaus angesetzt werden. Darum hat Fairtrade das Living-Income-Programm entwickelt. Hier können die Referenzpreise errechnet werden.

Fairtrade Deutschland teilt in einer Pressemitteilung vom 19. Februar mit, dass das Living-Income-Programm im März mit Lidl als erstem deutschen Unternehmen startet. Für die gesamten Eigenmarken-Tafeln wird demnach für die nächsten mindestens 5 Jahre ein ergänzender Booster gezahlt, der die Lücke zu einem existenzsichernden Einkommen schließt, einen Investitionsbeitrag leistet, um die Produktivität zu steigern, und andere Aktivitäten der Kooperative ermöglicht. Davon profitieren bis zu 10 Kooperativen in Westafrika. Dabei soll die Schokolade für die Kunden*innen nicht teurer werden.

Was bedeutet Living Income?

Hiermit sollen nicht nur die Produktionskosten gedeckt sein, sondern auch die Kosten für Ernährung, Wohnen und die Gesundheitsversorgung, sowie für Investitionen in Bildung und für den Aufbau von Rücklagen. So kann der Betrieb weiterentwickelt und ausbeuterische Kinderarbeit verhindert werden – eines der 17 SDGs, die bis 2030 erreicht sein sollen – lange ist es nicht mehr hin. Denn Einkommensarmut fördert Kinderarbeit.

Nachahmer erwünscht

Verlässliche Lieferketten und wirtschaftliche Stabilität sollten doch im Interesse jedes Unternehmens liegen. Denn wenn die Plantagen nicht bewirtschaftet werden können, fehlt der Rohstoff. Anpassungen an den Klimawandel sind kein Luxus, sondern existenziell für die Menschen, auch für die Kakaopflanzen. Wirtschaftliche Stabilität am Beginn der Lieferkette schafft Perspektiven für nachfolgende Generationen. Darum sind existenzsichernde Einkommen unerlässlich.

Nur mit existenzsichernden Einkommen können wir auch in Zukunft noch Schokolade genießen.

Living Income

In Good Company

Wir wollen im Weltladen ja nicht nur Produkte verkaufen, um den Erlös an Projekte zu spenden, in denen benachteiligte Menschen unterstützt und gefördert werden. Das ist zwar ein wichtiger Aspekt in einem Wirtschaftssystem, das Menschen, Natur und Klima ausbeutet, Lebensgrundlagen ruiniert, damit die soziale Ungleichheit verschärft und Perspektiven zerstört. Auf dieser Einbahnstraße, auf der Rohstoffe abgebaut, Produkte daraus hergestellt und eine Weile genutzt werden, um sie früher oder später wegzuwerfen, sammeln die reichsten 10 Prozent 85 Prozent des globalen Vermögens.

Spenden reicht nicht

Es geht um eine grundlegende Transformation der gesamten Wirtschaft. Darum hat das Forum Fairer Handel das Projekt In Good Company gestartet, in dem Akteure sichtbar werden, die ihre Geschäftsmodelle an die Kreisläufe auf dem Planeten orientieren, die Wertschöpfung gerecht verteilen und den Dialog über die Wirtschaft von morgen führen wollen.

In In Good Company versammeln sich nicht nur bekannte Fairhandelsunternehmen, wie Gepa, El Puente und Weltpartner, sondern auch Unternehmen, die sich außerhalb der Bubble dem Leitbild von In Good Company verschreiben, nämlich einer sozial-ökologischen Transformation, getragen von der Vision eines gerechten Welthandels und eines zukunftsfähigen Wirtschaftssystems, mit den Prinzipien des Fairen Handels als Standard.
Im ersten Report werden acht Unternehmen betrachtet.

Dazu zählt unter anderem Conflictfood. Das Unternehmen startete mit dem Handel von afghanischem Safran eines Frauenkollektivs, das statt Schlafmohn, Safran anbaut. Was klein begann, beteiligt heute 4000 Menschen, davon 2000 Frauen an der Wertschöpfung. Inzwischen gibt es Handelspartner auch in anderen Ländern, wie Ukraine, Myanmar, Palästina, Kambodscha und Mosambik.

Spenden sind Mittel, um Not- und Krisensituationen zu lindern. Handel ist das Werkzeug, sie dauerhaft zu bewältigen.

In Good Company

Unfaire Lieferketten schaden allen

Handel, naiv betrachtet, geht so: Ein Bauer, eine Bäuerin investiert Geld in alles, was nötig ist, um Nahrungsmittel auf verantwortungsvolle Weise anzubauen. Auf dieser Grundlage kalkuliert er oder sie den Preis für die einzelnen Produkte, damit anteilig alle entstandenen Kosten, folgende Investitionskosten sowie seine oder ihre gesamten Lebenshaltungskosten gedeckt sind. Zu diesem Preis bietet die Bäuerin, der Bauer die Produkte an. Händler*innen verhandeln nun mit den Produzent*innen um den Preis. Vielleicht ist dieser ja sehr großzügig kalkuliert worden. Beide Seiten haben ein Interesse an einem angemessenen Auskommen. Also einigt man sich und schließt den Handel ab.

Wäre das so, wäre der Faire Handel als Bewegung überflüssig

Doch leider ist das Engagement des Fairen Handels so dringlich wie eh und je. Das zeigen das Forum Fairer Handel und Oxfam mit den Informationen, die sie bei Lieferanten des Lebensmitteleinzelhandels eingesammelt haben. Das gemeinsame Paper zeigt die Methoden, mit denen der Lebensmitteleinzelhandel einerseits den Lieferanten existenzruinierende Preise abpresst, andererseits die Verkaufspreise erhöht und damit die eigene Marge steigert. Das ist möglich, weil sich die vier großen deutschen Supermarktketten Edeka (mit netto), Lidl und Kaufland (bilden zusammen die Schwarz-Gruppe), Rewe (mit Penny) und Aldi fast 90 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland teilen. Die höheren Lebensmittelpreise begründen die Einzelhändler mit gestiegenen Preisen der Marken, dabei zeigen die Zahlen, dass gerade die Preise der Eigenmarken drastisch gestiegen sind.

Produzent*innen sind diesen Praktiken ausgeliefert, mangels Alternativen zu dieser übersteigerten Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels. Ebenso ist es für Kund*innen schwer, sich dem zu entziehen. In ihrer Gier übersehen die Konzerne, wie sie ihre eigene Existenzgrundlage auf Dauer zerstören. 

Woher sollen Lebensmittel kommen, wenn sie nicht mehr angebaut werden können? 

Zu sehen ist das schon lange an Kaffee und Kakao, die längst unter der Klimakrise leiden, weil es zu trocken und zu heiß wird und damit die Ernten einbrechen und die Qualität sinkt. Den Produzent*innen fehlt nicht nur das Auskommen, sondern auch der Spielraum, in ihre Plantagen zu investieren, also in Anpassungsmaßnahmen oder auch nur darein, alte Bäume zu ersetzen. Weil jungen Menschen dadurch die Perspektive fehlt, wandern sie aus. In den Anbauländern fehlen die Arbeitskräfte. Für Orangen wird es selbst in Südeuropa allmählich zu heiß.

Was sind Handelsstrukturen wert, die auf Ausbeutung und Erpressung fußen?

Im fairen Handel werden Preise miteinander ausgehandelt, die nicht unter ein vereinbartes Minimum fallen. Ein Anteil wird im Voraus bezahlt, der Rest bei Lieferung. Dazu gibt es Prämien für die Produzenten. Die Zahlen sind transparent. 

Neben den Waren im Weltladen gibt es ja auch unsere Orangenaktion, ein direkter Handel mit den Produzent*innen in Süditalien. Gerade freuen wir uns auf die nächste Lieferung. Wer Interesse an einer 10 Kilokiste Bio-Orangen im März hat – die letzte Lieferung für diese Saison, schreibt einfach an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!

 Da gibt es alle nötigen Informationen.