Die Suche nach dem guten Leben
Auf der Suche nach einer Perspektive brechen allein aus Honduras täglich 700 bis 1000 vor allem junge Menschen Richtung USA auf, ähnlich geschieht dies in den Nachbarländern. So sinkt der Export von Kaffee nicht nur wegen der Ernteeinbußen durch den Klimawandel, sondern auch wegen der fehlenden helfenden Hände für die Ernte.
Zeit zu handeln
Einen möglichen Ausweg aus diesem Desaster zeigt die Genossenschaft Asoprosan in San Andrés. Gegründet wurde sie 2017 von 17 Mitgliedern mit dem Ziel, gute Preise für guten Kaffee zu erzielen und nicht mehr von den Coyotes, den Kaffeeeinkäufern, über den Tisch gezogen zu werden. Sie verkauft in Eigenregie in direkten Preisverhandlungen mit Ankäufern und Importeuren.
Klimawandel und Migration zusammendenken
Die inzwischen 159 Mitglieder arbeiten in Agroforstsystemen, dabei stehen die Kaffeepflanzen im Pinienschatten, stoppen so die Erosion der sandigen Böden, die knappen Niederschläge bleiben im Boden und die empfindlichen Pflanzen gedeihen im Schatten. Mit der dadurch steigenden Qualität steigen auch die Preise, die erzielt werden können. Dabei sind 90 Prozent der Ernte biozertifiziert.
Asoprosan berät ihre Mitglieder zum agroforstwirtschaftlichen Anbau und zur richtigen Kaffeepflanzenwahl. Außerdem sorgt sie für die Vernetzung mit anderen Genossenschaften, denn je besser sie informiert und vernetzt sind, desto mehr verdienen die Produzenten.
Die Regierung erkennt das Problem
Die Migration reißt Lücken in die honduranische Gesellschaft, deshalb will sie das Thema in die Schulen bringen und Lehrkräften höhere Löhne zahlen. Nur reichen diese Maßnahmen allein nicht aus.
Gemeinschaft gegen individuelles Schicksal
Zwei ehemals Fluchtwillige gründen eine Jugendgruppe, dort erzählen sie über ihre früheren Pläne und die Alternativen, die ihnen die Genossenschaft geboten hat. Diese stellt einen Röster und Bienenvölker und bietet Hilfe bei den Gesprächen mit Eltern und Banken. Sie bietet Röst- und Imkerkurse an und hält Kaffee- und Schattenpflanzen für den Anfang bereit.
Hier zeigt sich:
Bessere Bildung, bessere Infrastruktur und mehr Jobs erleichtern den Start in ein selbstbestimmtes Leben und wirken so gegen Migration.
Anstatt Migration aus der Perspektive der Industrieländer als invasive Bedrohung zu stilisieren, die Menschen zu kriminalisieren und irrsinnig teure Mauern zu bauen, ist es an der Zeit, die Perspektive der Menschen einzunehmen, die ihre Länder verlassen, dann sind Lösungen nicht mehr weit. Nur braucht es einen längeren Atem, als Grenzen zu schließen und Menschen zurück in lebensbedrohliche Gefahren abzuschieben.
Fairness macht die Welt zu einem besseren Ort für alle.
Quelle: taz, 25.11.2024
"Auswandern ist nicht immer die Bohne wert"