Unfaire Lieferketten schaden allen
Handel, naiv betrachtet, geht so: Ein Bauer, eine Bäuerin investiert Geld in alles, was nötig ist, um Nahrungsmittel auf verantwortungsvolle Weise anzubauen. Auf dieser Grundlage kalkuliert er oder sie den Preis für die einzelnen Produkte, damit anteilig alle entstandenen Kosten, folgende Investitionskosten sowie seine oder ihre gesamten Lebenshaltungskosten gedeckt sind. Zu diesem Preis bietet die Bäuerin, der Bauer die Produkte an. Händler*innen verhandeln nun mit den Produzent*innen um den Preis. Vielleicht ist dieser ja sehr großzügig kalkuliert worden. Beide Seiten haben ein Interesse an einem angemessenen Auskommen. Also einigt man sich und schließt den Handel ab.
Wäre das so, wäre der Faire Handel als Bewegung überflüssig
Doch leider ist das Engagement des Fairen Handels so dringlich wie eh und je. Das zeigen das Forum Fairer Handel und Oxfam mit den Informationen, die sie bei Lieferanten des Lebensmitteleinzelhandels eingesammelt haben. Das gemeinsame Paper zeigt die Methoden, mit denen der Lebensmitteleinzelhandel einerseits den Lieferanten existenzruinierende Preise abpresst, andererseits die Verkaufspreise erhöht und damit die eigene Marge steigert. Das ist möglich, weil sich die vier großen deutschen Supermarktketten Edeka (mit netto), Lidl und Kaufland (bilden zusammen die Schwarz-Gruppe), Rewe (mit Penny) und Aldi fast 90 Prozent des Lebensmitteleinzelhandels in Deutschland teilen. Die höheren Lebensmittelpreise begründen die Einzelhändler mit gestiegenen Preisen der Marken, dabei zeigen die Zahlen, dass gerade die Preise der Eigenmarken drastisch gestiegen sind.
Produzent*innen sind diesen Praktiken ausgeliefert, mangels Alternativen zu dieser übersteigerten Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels. Ebenso ist es für Kund*innen schwer, sich dem zu entziehen. In ihrer Gier übersehen die Konzerne, wie sie ihre eigene Existenzgrundlage auf Dauer zerstören.
Woher sollen Lebensmittel kommen, wenn sie nicht mehr angebaut werden können?
Zu sehen ist das schon lange an Kaffee und Kakao, die längst unter der Klimakrise leiden, weil es zu trocken und zu heiß wird und damit die Ernten einbrechen und die Qualität sinkt. Den Produzent*innen fehlt nicht nur das Auskommen, sondern auch der Spielraum, in ihre Plantagen zu investieren, also in Anpassungsmaßnahmen oder auch nur darein, alte Bäume zu ersetzen. Weil jungen Menschen dadurch die Perspektive fehlt, wandern sie aus. In den Anbauländern fehlen die Arbeitskräfte. Für Orangen wird es selbst in Südeuropa allmählich zu heiß.
Was sind Handelsstrukturen wert, die auf Ausbeutung und Erpressung fußen?
Im fairen Handel werden Preise miteinander ausgehandelt, die nicht unter ein vereinbartes Minimum fallen. Ein Anteil wird im Voraus bezahlt, der Rest bei Lieferung. Dazu gibt es Prämien für die Produzenten. Die Zahlen sind transparent.
Neben den Waren im Weltladen gibt es ja auch unsere Orangenaktion, ein direkter Handel mit den Produzent*innen in Süditalien. Gerade freuen wir uns auf die nächste Lieferung. Wer Interesse an einer 10 Kilokiste Bio-Orangen im März hat – die letzte Lieferung für diese Saison, schreibt einfach an: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Da gibt es alle nötigen Informationen.