Ernährungssysteme II – Landgrabbing

Landgrabbing ist der Erwerb von fruchtbarem Ackerland durch Investoren. Diese Aneignung, um Profite zu generieren, macht nicht nur das Leben der Produzent*innen in Afrika schwer. In der Folge können sich Kleinerzeuger*innen und Junglandwirt*innen die Pacht nicht leisten.

«Brot für die Welt» sieht im zunehmenden Ausverkauf von Land eine wichtige Fluchtursache. Menschen werden von ihrem Land vertrieben und damit ihrer Lebensgrundlage beraubt. Oft bleibt nur Migration oder Flucht. Darum fordert das Netzwerk, die Verantwortung für Menschenrechtsverletzungen und allen Folgen zu übernehmen. Die deutsche Rohstoff-, Wirtschafts-, Klima-, Energie-, Handels und Agrarpolitik soll auf alle negativen Folgen überprüft und so verändert werden, dass sie sich nicht an Menschenrechtsverletzungen und Vertreibungen beteiligt. Unternehmen sollen für die Vertreibung zur Rechenschaft gezogen werden. Es soll keine öffentlichen Fördergelder für Großprojekte geben, die in Land investieren. Daraus resultiert die Forderung nach einer anderen Landpolitik, die nicht zu neuen Konflikten führt. Landgrabbing muss also unterbunden und Fluchtursachen angegangen werden.

Der Ausverkauf von ostdeutschem Agrarland ist gerade durch neue Grundsätze für den Umgang mit staatseigenem Ackerboden gestoppt worden. Flächen werden nun nur noch verpachtet; für die Vergabe gelten Kriterien der Nachhaltigkeit, der Ökologie und Agrarstruktur. Letztere soll Junglandwirt*innen, Existenzgründer*innen und dem ökologischen Anbau den Zugang zu Land erleichtern. Es werden Bewirtschaftungsweisen bevorzugt, die Biodiversität, Klimaschutz und artgerechte Tierhaltung fördern.

Solche Regeln können die Wirkung von Engagement stärken, das längst da ist, wie das der mosambikanischen Kleinbauernorganisation UNAC, die ihre Mitglieder bei der Vermehrung ihres traditionellen, dürreresistenten Saatgutes unterstützt, Tauschbörsen organisiert und so Widerstand gegen das Hochleistungssaatgut von Bayer/Monsanto leistet. Außerdem ist sie Teil einer internationalen Bewegung für Ernährungssouveränität, für das Recht auf selbstbestimmte Landwirtschaft und Ernährung.

Für einen erfolgreichen Umbau der Landwirtschaft, die tatsächlich die Menschen ernährt und nicht Konzernen Profite beschert, müssen also die Rechte der Kleinerzeuger*innen gestärkt werden.