Wertschöpfung im Fairen Handel

Noch immer wird aus den Herkunftsländern meist die Rohware exportiert, auch im Fairen Handel, und erst in den Konsumländern weiterverarbeitet. Doch da bewegt sich längst einiges.

Wird lediglich die Rohware exportiert, wird damit auch die Wertschöpfung für Verarbeitung und Verpackung ausgeführt. Durch die Kaffeeröstung im Konsumland läuft die Zeit der Haltbarkeit erst dort und nicht schon während des Transports. Der entscheidende Nachteil für das Herkunftsland ist die fehlende Wertschöpfung, die durch die Weiterverarbeitung entsteht. Dort, wo bereits Kaffee geröstet, gemahlen und verpackt wird, wo Kakao als Schokolade in die Container verladen wird, entstehen neue Arbeitsplätze in verschiedenen Bereichen, wie in der Verarbeitung und Fertigung, für Verpackung und Transport, in Laboren für die Qualitätssicherung, im Management und in der Wartung von Produktionsanlagen. So entstehen vielfältige Arbeitsplätze, die Perspektiven gerade für junge Menschen schaffen, und es entstehen neue Marktzugänge auch im Herkunftsland.
Die Verarbeitung ist ein wichtiger Baustein für mehr Einkommen im eigenen Land und für gerechtere Handelsbedingungen.

Hoffnungsvolle Beispiele sind die Frauenkooperative APROLMA aus Honduras, der Kooperativendachverband FEDECOCAGUA aus Guatemala und die Genossenschaft MUSASA aus Ruanda. Von ihnen bezieht die Gepa einen Teil ihres Kaffees. Fair Trade Lebanon beliefert El Puente neben Hülsenfrüchten und Getreide auch mit Brotaufstrichen.

Es ist also möglich, durch bewussten Konsum nicht nur einen Absatzmarkt zu bieten, sondern zum Aufbau der heimischen Märkte beizutragen. Das ist ein wichtiger Schritt zu einem Umgang miteinander auf Augenhöhe.

 

Wir engagieren uns Fair in Soest

Denn wir sind davon überzeugt, durch unser Engagement in diesem Laden, daran mitzuwirken, die Welt ein wenig fairer und gerechter zu machen.

Dafür suchen wir Menschen, die sich auch dafür engagieren und im Laden mitarbeiten wollen.

Sprechen Sie einfach die Menschen im Laden an.

Wir freuen uns auf Sie

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In der Publikation «Mit bitterem Beigeschmack. Faire Handelspraktiken und existenzsichernde Einkommen – eine Chance für den Kaffeesektor?», vom Juni 2022 stellt das Forum Fairer Handel die aktuelle Situation auf dem weltweiten Kaffeemarkt dar. Dazu gibt es eine Broschüre als Zusammenfassung.

Kaffee ist eines der wichtigsten Handelsgüter weltweit

Trotz weltweiter Steigerung des Kaffeekonsums breitet sich die Armut unter den im Kaffeeanbau arbeitenden Menschen in den Anbauländern weiter aus, während konventionelle Kaffeekonzerne hohe Gewinne einfahren.

Der Anteil der weltweiten Einnahmen aus dem Kaffeegeschäft ist in den Anbauländern um zwei Drittel in den letzten 30 Jahren gesunken – von ehemals 30 Prozent auf heute 10 Prozent. 5 Handelshäuser kontrollieren 50 Prozent des Rohkaffeehandels. 10 Röstereien rösten 35 Prozent des weltweiten Kaffees.
In Deutschland teilen sich 5 Lebensmitteleinzelhändler fast 80 Prozent des nationalen Handels. Nur 6 Prozent des in Deutschland getrunkenen Kaffees kommt aus Fairem Handel. So weit diese Zahlen zur Einstimmung.

Im Weltmarktpreis spiegeln sich die Produktionskosten nicht wider. Die Rekordernte eines Landes gibt den Preis vor, egal, wie die Ernten in anderen Ländern ausfallen. Genauso wenig werden gestiegene Kosten, wie beispielsweise höhere Mindestlöhne oder Betriebskosten berücksichtigt. Oft bezahlen die Farmer:innen ihren Erntehelfern mehr, als sie selbst verdienen.

Der Faire Handel fordert einmal mehr verbindliche Rahmenbedingungen, die der preislichen Handelslogik entgegenstehen und die zu existenzsichernden Einkommen und Löhnen führen, die entlang der gesamten Lieferkette eingehalten werden müssen.

Am 1. Dezember hat sich der Rat der Europäischen Union auf ein Lieferkettengesetz geeinigt, das  – so Sven Giegold, Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz – Umwelt- und Sozialdumping schwerer macht. Die neuen Standards reichten über nationale Gesetze, wie etwa in Deutschland und Frankreich, hinaus. Das Gesetz soll alle Zulieferer in die Pflicht nehmen, wodurch die zurzeit noch in Deutschland erlaubten Zwischengesellschaften genauso in die Verantwortung gezogen werden sollen. Wird das Gesetz im nächsten Mai vom Parlament abgesegnet, könnten Opfer zivilrechtliche Haftungen einklagen. Allerdings ist die Verpflichtung an Größe und Umsatz des Unternehmens geknüpft. Der Einsatz für einen echten fairen Handel ist also weiter nötig.

 

Der Blog geht in die Winterpause. Im Februar geht es weiter.

Fairer Handel und Klimaschutz

Zu Beginn der COP 27 sah UN-Generalsekretär Antonio Guterres die Menschheit auf dem Highway zur Hölle. Dieser Highway ist gebaut durch die Lebensweise vor allem im reicheren Teil dieser Welt. Die Einsicht, was von Menschen gemacht wird, kann auch geändert werden, trägt das Engagement für eine gerechte Welt ohne Armut und Unterdrückung. Das sind die großen Aufgaben, die der Club of Rome in seinem aktuellen Bericht ausgemacht hat, neben dem Einsatz für eine regenerative und naturverträgliche Landwirtschaft und für eine umfassende Energiewende sowie für die Gleichstellung der Frauen. Leider wurde bei der internationalen Konferenz die Abfahrt verpasst.

In einer Welt, in der die Profitmaximierung die Wirtschaft bestimmt, bleiben alle Aktivitäten zum Klimaschutz und damit für alle daran geknüpften Bereiche in ihrer Wirkung stark gebremst.

Der Faire Handel praktiziert seit Jahrzehnten einen Handel, der die Grundlage für alle vom Club of Rome ausgemachten dringlichen Aufgaben bietet. Durch langfristige Handelsverträge, das gemeinsame Tragen der Risiken, durch angemessene Preise der Waren, mit Prämien für soziale Entwicklung und Verbesserung der Bildung, mit der Unterstützung bei der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft und anderen Anpassungsmaßnahmen.
Neben aller Unterstützung ihrer Handelspartner nehmen die Handelsorganisationen auch den eigenen CO2-Ausstoß in den Blick, den sie so klein halten, wie möglich. Dabei bleiben sie nicht stehen, sondern suchen nach weiteren Maßnahmen.

Was wäre, wenn durch mutige politische Entscheidungen diese Art des Handelns, das dem Gemeinwohl aller und allem dient, zur Normalität würde.

Wo der politische Gestaltungswille der Verantwortlichen fehlt, kann jede:r durch das eigene Verhalten zeigen, dass die notwendigen Veränderungen möglich und gefordert sind. Dazu gehört ein wohlüberlegter, bewusster Konsum. Dazu gehört das eigene Verhalten. Dazu gehören auch die Erwartungen, zum Beispiel an das Ausmaß aller Arten der Beleuchtung, gerade jetzt in der Winterzeit.

Energie, die gar nicht erst verbraucht wird, muss nicht aus fossilen Quellen und aus Ecken dieser Welt bezogen werden, die sich weder um Menschenrechte, noch um Klima- und Umweltschutz scheren.

Heute gibt es ein bisschen aus der Geschichte der Weltladenbewegung zu lesen.

Ein Weltladen gehört längst zu fast jedem Stadtbild. Doch wie hat alles angefangen?

Nach Deutschland schwappt die Fair Trade Bewegung aus den Niederlanden und Großbritannien herüber, wo sie sich schon in den 1960er Jahren sammelte, um Kritik an der staatlichen Entwicklungspolitik zu üben und konkrete Projekte zu unterstützten. 1970 wird die Aktion Dritte Welthandel – A3WH – gegründet. Nur wenige Jahre später öffnete der erste Weltladen Deutschlands in Stuttgart seine Tür mit geregelten Öffnungszeiten. Mitte der 1970er Jahre nimmt die Bewegung fahrt auf, mit der Gründung des Weltladendachverbandes, mit 10 Weltläden bundesweit. An die hellbraunen, groben Tragetaschen mit der Aufschrift – «Jute statt Plastik» – können sich sicher noch viele erinnern. Diese Aktion startet 1978. Es geht Schlag auf Schlag weiter. Die ersten Bioläden betreten auch als Partner die Bühne. Jetzt ist es möglich, politische Kaufentscheidungen zu treffen. Der erste Nicaragua-Kaffee wird direkt importiert, um den Bauern ein besseres Einkommen zu sichern und auf die politische Situation im Land aufmerksam zu machen. Bis 1990 gründen sich verschiedene Fair Handels Akteure, die sich in der WFTO – World Fair Trade Organisation – bündeln. Jetzt richtet sich die Arbeit auf das Motto aus – «Global denken, lokal handeln». Fair Trade Produkte ziehen in die Supermärkte ein. Das Fair Trade Siegel wird geboren, die «Konvention der Weltläden» veröffentlicht. Und wieder beginnt ein neues Jahrzehnt mit der nächsten Entwicklungsstufe, in der die Vernetzung und Kooperation im Mittelpunkt der Arbeit bis heute steht. Dazu wird 2001 zum ersten Mal die «Faire Woche» veranstaltet, ein Jahr später das Forum fairer Handel gegründet und 2004 nimmt das Fair Trade Advocacy Office in Brüssel seine politische Lobbyarbeit für den fairen Handel auf, formal gegründet wird es 2010.
Der Basiskurs Fairer Handel des Weltladendachverbandes führt durch die Welt des Fairen Handels.
In der Bewegung sind die beiden Bereiche seit Beginn fest verankert: der Faire Handel selbst und die politische Lobbyarbeit, die durch Informations- und Bildungsarbeit ergänzt wird. Der Blick in die Geschichte und in die vielen Porträts zeigen doch, wie wichtig erste Schritte für die Suche nach den richtigen Wegen sind, Veränderungen anzuschieben.