Anidaso heißt Hoffnung

 – und die ermöglichen Gabriel Cudjoe, seine Frau Caroline und seine Mutter 15-20 Straßenkindern in einem Kinderhaus in Accra in Ghana. Finanziell werden sie vom Verein Anidaso aus Lippetal unterstützt.

Über die Arbeit von Anidaso e.V. berichtete Frau Kröner letzte Woche im Weltladen.

Der Verein gehört zu den Spendenempfängern des Weltladens. Jedes Jahr werden die Gewinne aus dem Verkauf an Organisationen gespendet, gerne auch mit Verbindung zu Soest.

Wie alles beginnt

Pastor Horst Klabes und Ursula Nippel begegnen Mutter und Sohn in Accra, die Kinder in ihrem Haus aufnehmen, die sonst auf der Straße leben. Das Haus bietet ihnen zwischen den vier Wänden Schutz, den sie auf der Straße nicht finden. Die Wohnsituation ist so beengt, dass fast alles unter freiem Himmel stattfindet: Kochen, essen, waschen, Hausaufgaben erledigen. Geschlafen wird auf Teppichen. Die Kinder finden dort aber etwas, was sie auf der Straße entbehren müssen: regelmäßiges Essen, einen sicheren Schlafplatz und Zuwendung. Geld vom Staat gibt es für eine solche Einrichtung nicht.

Dafür engagieren sich Pastor Klabes und Ursula Nippel nach ihrer Rückkehr nach Deutschland. Spenden werden gesammelt, ein Verein gegründet und im Kinderhaus wird eine Toilette und eine Dusche installiert. Den Bau des neuen Kinderheims erlebt Pastor Klabes nicht mehr, der bei einem Autounfall sein Leben verliert.

Doch die Arbeit geht weiter

Im März 2016 wird das neue Haus bezogen, mit einer Küche, Etagenbetten, Tischen und Stühlen. Auf dem benachbarten Grundstück entsteht ein Außengelände, auf dem getobt, gespielt und alles gemacht wird, was Kinder im geschützten Raum tun können. Eine Mauer um das gesamte Geländer herum macht diesen Schutz nach innen spürbar und nach außen sichtbar.

Vor dem Haus steht ein 4000 Liter fassender Wassertank, der befüllt werden muss, sobald mal wieder Wasser durch die Rohre fließt, bevor es wieder abgestellt wird. Auch auf den unregelmäßig fließenden Strom müssen sich die Menschen einstellen.
Volontärinnen unterstützen bei der Betreuung, bei den Hausaufgaben und beim Aufspüren des individuellen Talents.

Diese drei Menschen schaffen mit ihrem Engagement Lebenschancen für die Kinder, die sie sonst nicht hätten. Sie bieten ihnen Obdach, Sicherheit und Zuwendung und die Liebe, die Kinder brauchen, um in ein selbstbestimmtes Leben zu finden. Alle absolvieren die Schule, eine Ausbildung und können so für sich selber sorgen.

Die Verantwortung ist hoch, diese Arbeit langfristig durch Spenden zu sichern. Das überzeugte Engagement des Vereins ist es auch.

Wie wäre es, wenn diese Lebenschancen allen Kindern auf die Weise, die jeweils notwendig ist, zuteil würde.

In dem Eintrag vom 04.09. ging es schon einmal um das EUDR-Gesetz zur EU-Waldschutzverordnung – das seit einem Jahr mit einer Übergangsfrist bis zum Ende dieses Jahres gilt. Nun wird verwässert, um den Akteuren mehr Zeit für die Umsetzung zugeben, die wir nicht haben.

EU-Lieferkettenentwaldungsgesetz – die Fortsetzung

Die Entwaldungsverordnung sieht vor, dass Produkte wie Kaffee, Holz, Soja, Kakao und Palmöl in der EU nur noch verkauft werden dürfen, wenn dafür keine Wälder abgeholzt werden. So soll die Abholzung im Amazonasgebiet gebremst werden. Bauern und Kaffeeröster in Deutschland, EU-Politiker und Konzerne aus Lateinamerika protestierten gegen das Gesetz: Die Vorbereitungszeit sei zu kurz.

Nun schlägt von der Leyen als EU-Kommissionspräsidentin die Verschiebung auf Ende 2025 und für Kleinunternehmen auf Ende 2026 vor. Dabei beugt sie sich dem Druck der Lobbyisten und dem einiger EVP-Mitglieder in der EU. Außerdem haben sich die Mercosur-Staaten – ein Wirtschaftsbündnis von lateinamerikanischen Staaten – beschwert. Die EU greife tief in die Wirtschaft der Länder ein. Die Unternehmen seien nicht ausreichend vorbereitet.

Fairtrade Deutschland begrüßt das Gesetz, sagt aber, es gehe nicht weit genug. Umso fataler ist es, es zu entschärfen.

Fairtrade Deutschland fordert die Europäische Kommission, die Mitgliedstaaten und die Unternehmen zur engen Zusammenarbeit mit den Produzent*innen auf, die Organisationen und Kleinbauern zu unterstützen, die die Vorschriften erfüllen müssen. Dabei dürften die Kosten nicht auf den Anfang der Lieferketten abgewälzt werden. Außerdem fordert Fairtrade Deutschland die Europäische Union auf, Bäuerinnen und Bauern laufend einzubeziehen und sich an sie zu wenden, damit sie nicht wegen fehlender Ressourcen vom EU-Markt ausgeschlossen werden.

Risikoanalyse und Geomapping kosten Zeit und Geld. Im Fairen Handel wird seit jeher auf den Warenpreis eine Prämie bezahlt, die die Produzenten für Investitionen unterstützt.

Außerdem gibt es den HREDD-Support-Fond (Human Rights and Enviromental Due Diligence), der unterstützt und finanziert wird durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), in Kooperation mit der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Wie wäre es, wenn Unternehmen auf ähnliche Weise einen Fond schaffen, der die Belastungen auf alle gerecht verteilt?

taz

Fairtrade Deutschland

Es gibt neue Tees, Ingwer und Safran im Weltladen. Und hinter jedem Produkt steckt eine Geschichte.

Conflictfood erzählt sie

Seit einiger Zeit bietet der Weltladen Ingwer, Tee und Safran von Conflictfood an. Diese Firma handelt mit «kulinarischen Schätzen aus ausgewählten Regionen dieser Welt».

Die Leute hinter Conflictfood zeigen, dass man sich Handelspartner*innen aussuchen kann, und beweisen so, dass ein fairer Handel keine Nische für unverbesserliche Ehrenamtler ist, sondern ein Geschäftsmodell. Sie verschreiben sich dem Genuss aus Krisengebieten, denn sie sind davon überzeugt, dass Wandel durch Handel entstehen kann, über den Erfolg entscheiden Händler und Konsument*innen mit.

Mit diesem Geschäftsmodell passen sie gut in den Weltladen. Denn darum geht es auch hier: um faire und ökologische Produkte und die Menschen dahinter. Conflictfood zeigt, dass es Unternehmensgrundlage sein kann, gezielt in krisenhaften Regionen besondere Kostbarkeiten aufzuspüren. Der Handel kann – so die Firmenphilosophie – einen Beitrag zur Lösung von sozialen und ökologischen Konflikten leisten. Er bringt den Menschen Geld, das sie unabhängiger macht und Raum für Entwicklung schafft.

Aus Myanmar kommt grüner und schwarzer Tee und Ingwer.
Aus der Ukraine kommt Kräutertee und ein Chai-Tee.

Aus Afgahanistan kommt Safran, das Conflictfood-Gründungsprodukt.

Der Safran stammt aus einer Frauenkooperative, die ihn statt Opium anbaut. Die Provinz Herat gilt als die Wiege des Safrans.

In Afghanistan herrscht eine hohe Jugendarbeitslosigkeit, Frauen werden aus dem öffentlichen Leben gedrängt, die Wirtschaft existiert kaum noch. Der Klimawandel zerstört Ernten – die Menschen leiden Hunger. Der Fokus der Taliban ist nicht das Wohl der Menschen.

Conflictfood handelt direkt mit den Frauen, ohne Zwischenhändler. Das Leben und die Bildung der Kinder und Jugendlichen sind mit den Einnahmen gesichert. Und mit den Investitionen in neue Krokuszwiebeln ist dies auch in Zukunft möglich.

In nächster Zeit werden auch die anderen Produzent*innen vorgestellt.

«Fair und kein Grad mehr» – das Jahresthema der Fairen Woche

Hitze, Dürren und Fluten verändern schon jetzt unsere Nahrungsmittel. So leiden Orangen, Kakao, Kaffee und Oliven bereits besonders stark. Die Ernteeinbußen führen zu höheren Preisen – bei Orangensaft lagen sie 2023 bis zu 78 Prozent höher, bei Olivenöl sogar doppelt so hoch, jeweils bezogen auf das Vorjahr. Bis 2050 könnt die Hälfte der Kaffeeanbaugebiete wegfallen.

Wer weder Kaffee, noch Kakao trinkt, mag vielleicht lieber Bier. Doch auch dieser Genuss schwindet. Dem Hopfen wird es zu heiß, die Ernten gehen stark zurück. Die Bierbrauer klagen längst über die klimabedingt schlechte Qualität.

Also schlechte Ernten lassen die Preise auch im unfairen Anbau deutlich steigen, damit verbessern sich allerdings die Arbeits- und Lebensbedingungen der Menschen nicht, wenn nicht international verbindliche Regeln geschaffen werden, die dann auch umgesetzt werden. Außerdem braucht es eine Kreislauflandwirtschaft, die sich in die Umgebung einfügt und sie nicht zerstört, natürlich neben längst notwendigem ambitioniertem Klimaschutz. Das sind weitere Möglichkeiten, liebgewonnene Lebens- und ja, Genussmittel zu erhalten.

Warum dann nicht gleich faire Produkte kaufen und damit den Umbau der Landwirtschaft fördern, sie klimaresilienter zu gestalten. So hat die Weltpartner e.G. 2019 in Burundi ein Agroforstsprojekt gestartet, an dem sich 18 Kooperativen des Kaffeeanbauverbandes COCOCA beteiligen. Es geht darum, ein System aus verschiedenen Baumarten, deren Holz genutzt werden kann, und Obst und Gemüse zu schaffen, das auf recht kleinem Raum die Nahrungsgrundlage der Produzent*innen und ihrer Familien sichert. Die Kaffeeernte bringt dann noch Geld in die Kassen. Alles zusammen ist es ein System, das sich selber hält, indem sich die Pflanzen gegenseitig schützen und fördern.

Egal, für welche Ernährung und welchen Konsum überhaupt wir uns entscheiden, ist es eine politische Entscheidung. Wir haben hier die Möglichkeit, zu wählen, für welchen Anbau, welche Tierhaltung, für welche Arbeitsbedingungen der Produzent*innen wir unser Geld ausgeben wollen, regional, wie global.

Adorno hat gesagt: Es gibt kein richtiges Leben im falschen.
Eine mögliche Antwort darauf könnte lauten: Aber es gibt eine richtige Richtung, um das falsche Leben zu überwinden.

Vom 13. bis 27. September ist wieder Faire-Woche. Jedes Jahr nimmt Fairtrade Deutschland und das Forum Fairer Handel dann ein Thema besonders in den Fokus. In diesem Jahr ist es, wegen der Dringlichkeit, zum zweiten Mal:

«Fair und kein Grad mehr»

Der Anbau von Kaffee und Kakao wird durch die steigenden Temperaturen immer schwieriger. In manchen Regionen wandern die Landwirt*innen in höhere, kühlere Lagen ab, was eine kostspielige und nur kurzfristige Lösung sein kann. Damit Kaffee und Kakao weiterhin angebaut werden können, braucht es dringend Kühlung. Die ist durch Wald und Agroforstsysteme zu erreichen.

Seit einem Jahr gilt nun die EU-Verordnung (EUDR), die die Lieferketten von Produkten und Erzeugnissen befreien soll, für die Wald gerodet oder geschädigt wird.

Um herauszufinden, wie es dem Wald unter dem Einfluss des fairen Handels geht, hat Fairtrade international eine Vergleichsstudie bei einem Forscher-Konsortium in Auftrag gegeben, mit dem Ergebnis, dass Fairtrade zum Erhalt der Waldflächen beiträgt. Für die Studie wurden acht Kakao- und Kaffeekooperativen in Honduras, Kolumbien und Cote d`Ivoire befragt, je eine teilnehmende Kooperative pro Land ist nicht Fairtrade-zertifiziert, alle anderen sind zertifiziert.

Die Produzent*innen aus Fairtrade-Kooperativen haben bessere Ressourcen, Waldflächen effektiver zu schützen, wie die Studie zeigt. Dazu trägt sicher auch die Prämie bei, die zusätzlich zum Kaufpreis bezahlt wird. Nun wollen nicht zertifizierte Kooperativen von den Fairtrade-Akteuren wissen, wie sie ihr Entwaldungsrisiko verringern können. Denn gesunde Wälder bieten Schatten und einen besseren Zugang zu Wasser.

Die Kooperativen handeln auf unterschiedliche Weise, während in Kolumbien Baumschulen unterhalten werden, setzen sie in Cote d`Ivoire auf Agroforstsysteme. Diese wirken günstiger auf das Mikroklima und schützen die Bäume vor der Sonne.

Sie schützen also aktiv Wäldern, Wasser und Biodiversität und sichern so ihre Existenz.

Für die Kooperativen sei es kein Problem, die Eu-Verordnung umzusetzen. Schwieriger sei die Nachweispflicht, sagt Claudia Brück, Vorständin von Fairtrade Deutschland. Risikoanalyse und Geomapping kosteten Geld und Zeit. Die Kaffee- und Kakaoanbaustandards im fairen Handel seien so ausgerichtet, dass die Lasten auf die gesamte Lieferkette verteilt seien. Um diese für die Rohstoffe von Kakao und Kaffee gegen die Folgen der Klimakrise abzusichern, müsse der Schutz der Wälder allerdings über das EUDR hinausgehen, so Brück. Dazu müssten Unternehmen verstärkt agrarökologischen Anbau unterstützen und in Wiederaufforstung investieren.

Damit alle Partner*innen der Fairtrade-Lieferkette die unternehmerische Sorgfaltspflicht leichter wahrnehmen können, gibt es den HREDD-Support-Fond (Human Rights and Enviromental Due Diligence). Unterstützt und finanziert wird er durch das Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), in Kooperation mit der Gesellschaft für internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Wer weiterhin Kaffee trinken will, sollte die Bedeutung des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung erkennen und unterstützen.

Mit diesem Fond wird ein kleiner Teil der Verantwortung für die Klimakrise und ihren Folgen übernommen.

Fairtrade Deutschland