Fairness for Farmers – From Fields to Future

Das ist das Jahresthema von Fairtrade Deutschland.

Zur Marktmacht des Lebensmitteleinzelhandels findet sich weiter unten der Eintrag vom 4. Februar. Mit dem Jahresthema Fairness for Farmers – From Fields to Future stellt Fairtrade Deutschland die Menschen in den Mittelpunkt, die die Lebensmittel produzieren. In der Storybox steckt eine Weltreise zu den Menschen, die ihre Geschichten erzählen.

Eine Frage des Preises

Deutschland galt lange als das Land mit niedrigen Lebensmittelpreisen im Vergleich zu anderen europäischen Ländern. Durch die Inflation ist das jetzt anders. Doch der Preis an der Supermarktkasse sagt nichts über die Gewinnverteilung entlang der Lieferkette aus. 
Die »Big Four« Edeka, Rewe, Lidl und Aldi diktieren Preise und Bedingungen für Lieferant*innen und Produzent*innen. Ihre Marktmacht steigt noch, da sie sich nicht nur im Handel, sondern auch in der Produktion für ihre Eigenmarken breitmachen. So können sie noch mehr Druck auf externe Produzenten und Lieferanten ausüben, alles mit dem Ziel, die eigenen Margen zu steigern. Dabei spielen sie Konsument*innen und Produzent*innen gegeneinander aus. Den einen verlangen sie Verantwortung für die Konsument*innen ab, den anderen erzählen sie von inflationsbedingt gestiegenen Einkaufspreisen, was allerdings nicht auf alle Produkte zutrifft. Dazwischen bauen die Konzerne ihre Margen aus und wälzen Kosten und Risiken ab.

Deshalb Fairtrade

Mit den Fairtrade-Standards existieren Instrumente nicht nur für eine gerechte Verteilung der Gewinne, die überhaupt nur durch die Produzent*innen möglich sind, sondern auch solche, zur Anpassung an sich verändernde Bedingungen:

Mindestpreis & Prämie – als Sicherheitsnetz und Investition in die Zukunft
Fairtrade-Standards – für bessere Arbeits- und Lebensbedingungen
Frauenförderung – für mehr Gleichberechtigung und Teilhabe
Existenzsicherndes Einkommen – als Grundlage für ein würdevolles Leben
Umwelt & Klima – für resiliente Landwirtschaft und langfristige Perspektiven
Globale Bewegung – für gemeinsame Verantwortung über Grenzen hinweg 
(Fairtrade Deutschland)

Damit wir auch morgen noch Kaffee trinken und Schokolade essen können.

 

https://www.forum-fairer-handel.de/fileadmin/user_upload/Dateien/Publikationen_FFH/2025_ffh_die-macht-der-big-four.pdf

https://www.fairtrade.net/de-de/meta/Newsroom/News/fairness-for-farmers.html

 Wir freuen uns

 

Der Weltladen hat Geburtstag. Fast. Was im Juni 2016 in der Jakobistraße begann, setzt sich seit 2019 im Grandweg fort. Wir verkaufen Waren unserer Großhändler, die auf langfristige Partnerschaften setzen, statt auf maximale Gewinne. Das geht nicht ohne Fairness. Unser ehrenamtliches Engagement wirkt in mehrere Bereiche: Wir zeigen - wie alle Weltläden - dass ein fairer Handel möglich ist. Und mit den Gewinnen unterstützen wir Projekte, die sich für die Menschen engagieren, die die geringsten Chancen haben.

 

 An dieser Stelle stellen sich nun in Vorfreude und loser Folge Mitarbeitende vor:

 

Stell dich bitte kurz vor.

 

Mein Name ist Annette und ich bin 69 Jahre alt. Nach meinem Eintritt in die Rente habe ich eine ehrenamtliche Tätigkeit gesucht, die mir Spaß macht und bei der ich zeitlich flexibel sein kann.

 

 

Seit wann bist du im Laden?

 

Seit Ende 2021.

 

 

Kanntest du den Fairen Handel schon vorher?

 

Ja, der faire Handel war mir bekannt und ich habe auch früher gerne in Weltläden und im Einzelhandel fair gehandelte Produkte eingekauft.

 

 

Wie bist du auf den Weltladen aufmerksam geworden?

 

Durch Freundinnen, die bereits im So fair Weltladen in Soest aktiv waren.

 

 

Warum bist du dabei?

 

Wir leben hier unter komfortablen Bedingungen. Daher unterstütze ich gerne mit meinem ehrenamtlichen Engagement die Lebens- und Arbeitsbedingungen verschiedener Initiativen und kleinerer Produzenten.

 

 

Was würdest du einer Person sagen, die sich für die Arbeit im Weltladen interessiert?

 

Wir sind ein nettes und offenes Team. Das vielseitige und umfangreiche Sortiment ist sehr attraktiv und die Kundinnen und Kunden sind häufig sehr interessiert, offen und sympathisch.

Und jede und jeder im Team kann sich nach seinen zeitlichen Möglichkeiten engagieren.

Mal wieder Rosen verschenken?

Ostern ist nicht mehr weit, damit das Ende der Fastenzeit. Zum Glück gibt es Faire Schokolade für den Genuss. Doch was ist mit Blumen?

In Ecuador werden in über 3000 Meter Höhe Rosen in Gewächshäusern für den Export nach Europa, Russland und die USA angebaut. Staatlich gefördert, profitieren vor allem die großen Plantagen im Tal, gegenüber den Kleinbäuer*innen an den Hängen. Viele von ihnen sehen sich allerdings gezwungen, in Glashäuser für den Rosenanbau zu investieren, weil die Erlöse aus der Landwirtschaft nicht zum Leben reichen.

Zwei Milliarden ecuadorianische Rosenstiele wurden im letzten Jahr verkauft, die mehr Rendite abwerfen als Bananen oder Kaffee. Mehr waren es nur aus den Niederlanden und Kolumbien.

Höhenlage, vulkanische Böden, intensive Sonneneinstrahlung bieten beste Voraussetzungen, neben niedrigen Löhnen und kaum Kontrollen der Einhaltung von Arbeitsrecht und Umweltgesetzen.

Pestizide für makellose Blüten

Besonders toxische Pflanzenschutzmittel, die in Europa nicht mehr ausgebracht werden dürfen, werden munter weiter exportiert – eben auch für die Rosenplantagen in Ecuador. Schließlich sollen die langstieligen Rosen gleichmäßig und makellos sein.
Die Folgen für die Menschen sind gewaltig, nicht nur Beschäftigte auf den Plantagen sind stark belastet, auch die Menschen in der Umgebung. So sind Kinder zu den Haupterntezeiten vor Valentinstag und Muttertag, neurokognitiv so stark belastet, dass sie nicht gut lernen können. Davor und danach ist es besser. Jugendliche tragen ein hohes Depressionsrisiko.

Pestizide: nach Ecuador und zurück

Und so wird die Pestizidbelastung importiert. Global 2000, eine österreichische Umweltschutzorganisation, kann bis zu 80 verschiedene Pestizide auf Rosensträußen nachweisen, im Schnitt sind es 14. In dreivierteln der Proben finden sich Pestizide, die in Europa wegen ihrer toxischen Wirkung verboten sind.

Nur knapp 0,1 Prozent der ecuadorianischen Rosen tragen das Fairtrade-Siegel, doch selbst auf vielen dieser Rosen konnte Öko-Test Rückstände finden.

Das Wasser ist knapp

Neben all dem stehen dem wirtschaftlichen Erfolg des Rosenanbaus in Ecuador die Konflikte um Boden und Wasser gegenüber – den die großen Plantagen meist gewinnen. Dadurch ist die Lebensgrundlage der indigenen Menschen bedroht.

Exportstopp von in der EU verbotenen Pestiziden

Das fordert INKOTA. Wer sich anschließen will, kann sich im Weltladen in die ausliegenden Listen eintragen, oder hier unterschreiben.

Eine Alternative

Slowflower ist eine Bewegung in der sich alle, vom Anbau bis zum Design, versammeln, mit der gemeinsamen Leidenschaft, lokaler, pestizidfreier Schnittblumen – wie sie auf ihrer Hompage schreiben.

Fairtrade Living-Income-Programme

Im Fairen Handel legen Händler und Produzenten zusammen Mindestpreise fest, die nicht immer existenzsichernd sein können. Dazu wird eine Prämie gezahlt, für betriebliche Investitionen. Von diesen Mindestanforderungen profitiert nur ein kleiner Teil der Produzenten im globalen Süden. Eine generelle Existenzsicherung muss also das Ziel sein – für den gesamten Handel. Also muss der Hebel über den Fairen Handel hinaus angesetzt werden. Darum hat Fairtrade das Living-Income-Programm entwickelt. Hier können die Referenzpreise errechnet werden.

Fairtrade Deutschland teilt in einer Pressemitteilung vom 19. Februar mit, dass das Living-Income-Programm im März mit Lidl als erstem deutschen Unternehmen startet. Für die gesamten Eigenmarken-Tafeln wird demnach für die nächsten mindestens 5 Jahre ein ergänzender Booster gezahlt, der die Lücke zu einem existenzsichernden Einkommen schließt, einen Investitionsbeitrag leistet, um die Produktivität zu steigern, und andere Aktivitäten der Kooperative ermöglicht. Davon profitieren bis zu 10 Kooperativen in Westafrika. Dabei soll die Schokolade für die Kunden*innen nicht teurer werden.

Was bedeutet Living Income?

Hiermit sollen nicht nur die Produktionskosten gedeckt sein, sondern auch die Kosten für Ernährung, Wohnen und die Gesundheitsversorgung, sowie für Investitionen in Bildung und für den Aufbau von Rücklagen. So kann der Betrieb weiterentwickelt und ausbeuterische Kinderarbeit verhindert werden – eines der 17 SDGs, die bis 2030 erreicht sein sollen – lange ist es nicht mehr hin. Denn Einkommensarmut fördert Kinderarbeit.

Nachahmer erwünscht

Verlässliche Lieferketten und wirtschaftliche Stabilität sollten doch im Interesse jedes Unternehmens liegen. Denn wenn die Plantagen nicht bewirtschaftet werden können, fehlt der Rohstoff. Anpassungen an den Klimawandel sind kein Luxus, sondern existenziell für die Menschen, auch für die Kakaopflanzen. Wirtschaftliche Stabilität am Beginn der Lieferkette schafft Perspektiven für nachfolgende Generationen. Darum sind existenzsichernde Einkommen unerlässlich.

Nur mit existenzsichernden Einkommen können wir auch in Zukunft noch Schokolade genießen.

Living Income

In Good Company

Wir wollen im Weltladen ja nicht nur Produkte verkaufen, um den Erlös an Projekte zu spenden, in denen benachteiligte Menschen unterstützt und gefördert werden. Das ist zwar ein wichtiger Aspekt in einem Wirtschaftssystem, das Menschen, Natur und Klima ausbeutet, Lebensgrundlagen ruiniert, damit die soziale Ungleichheit verschärft und Perspektiven zerstört. Auf dieser Einbahnstraße, auf der Rohstoffe abgebaut, Produkte daraus hergestellt und eine Weile genutzt werden, um sie früher oder später wegzuwerfen, sammeln die reichsten 10 Prozent 85 Prozent des globalen Vermögens.

Spenden reicht nicht

Es geht um eine grundlegende Transformation der gesamten Wirtschaft. Darum hat das Forum Fairer Handel das Projekt In Good Company gestartet, in dem Akteure sichtbar werden, die ihre Geschäftsmodelle an die Kreisläufe auf dem Planeten orientieren, die Wertschöpfung gerecht verteilen und den Dialog über die Wirtschaft von morgen führen wollen.

In In Good Company versammeln sich nicht nur bekannte Fairhandelsunternehmen, wie Gepa, El Puente und Weltpartner, sondern auch Unternehmen, die sich außerhalb der Bubble dem Leitbild von In Good Company verschreiben, nämlich einer sozial-ökologischen Transformation, getragen von der Vision eines gerechten Welthandels und eines zukunftsfähigen Wirtschaftssystems, mit den Prinzipien des Fairen Handels als Standard.
Im ersten Report werden acht Unternehmen betrachtet.

Dazu zählt unter anderem Conflictfood. Das Unternehmen startete mit dem Handel von afghanischem Safran eines Frauenkollektivs, das statt Schlafmohn, Safran anbaut. Was klein begann, beteiligt heute 4000 Menschen, davon 2000 Frauen an der Wertschöpfung. Inzwischen gibt es Handelspartner auch in anderen Ländern, wie Ukraine, Myanmar, Palästina, Kambodscha und Mosambik.

Spenden sind Mittel, um Not- und Krisensituationen zu lindern. Handel ist das Werkzeug, sie dauerhaft zu bewältigen.

In Good Company